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Ursachen und Folgen eines Brexit

MADRID – Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist inzwischen eine eindeutige Möglichkeit. Es scheint zunehmend wahrscheinlich, dass die anstehende Sitzung des Europäischen Rates zu einem Deal über die Bedingungen der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens führen wird – einem Deal, der dann im Rahmen eines Referendums den britischen Wählern vorgelegt werden wird, und zwar möglicherweise schon in diesem Sommer.

Allerdings sollten Großbritannien und die EU angesichts der zunehmenden Hektik einen Moment innehalten, um gründlich nachzudenken. Schließlich weiß trotz der Zusicherungen von beiden Seiten niemand, wie sich das Referendum entfalten wird, und erst recht nicht, wie man mit den Folgen klar kommen soll, falls sich die britischen Wähler entscheiden, die EU zu verlassen.

Das Referendum ist dabei die unmittelbarste Unbekannte. Die Erfahrung lehrt uns, dass, wenn Wähler derartige Entscheidungen treffen, sie sich selten auf das konkrete Thema konzentrieren. In den Referenden über den EU-Verfassungsentwurf 2005 etwa ging es den Niederländern primär um den Euro, während die Franzosen Angst vor polnischen Klempnern hatten, die ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen könnten.

Bisher sieht es aus, als würde das kommende britische Referendum demselben Muster folgen und als würden sich die Wähler mehr auf grob vereinfachende Ideen, Vorurteile und Emotionen und weniger auf pragmatische Überlegungen konzentrieren. Und das EU-feindliche Lager war bisher die deutlich leidenschaftlichere – und von ihrer Rhetorik her aufrührende – Seite.