Adem Altan/Stringer

Warum die EU Großbritannien entgegen kommen sollte

MÜNCHEN – Theresa May hat die Entscheidung verkündet. Ohne wenn und aber wird Großbritannien aus der EU ausscheiden und dann neue Handelsabkommen vereinbaren. Lösungen wie für die Schweiz oder Norwegen gefallen den Briten nicht, weil sie ihre Immigrationspolitik allein bestimmen wollen. Sie wollen sich auch nicht mehr dem EuGH unterwerfen, den sie beschuldigen, interessengeleitete Entscheidungen getroffen zu haben.

Die EU-Offiziellen reagieren verschnupft und drohen an, Großbritannien den Freihandel zu verwehren. Man könne nicht zulassen, dass sich die Briten die Rosinen aus dem gemeinsamen Markt herauspicken. Freihandel und Freizügigkeit gehörten logisch zusammen. Auch bestehe die Gefahr, dass es Nachahmer gebe, wenn man Großbritanniens Wünschen nun entgegen komme. Das Ziel, die Briten abstrafen zu wollen, ist klar erkennbar. Beide Argumente sind fundamental falsch.

So bedauerlich es ist, dass die Briten aus der EU ausscheiden, so falsch ist die Auffassung, Freihandel und Arbeitnehmerfreizügigkeit würden einander bedingen. Gerade dann, wenn Arbeitskräfte nicht wandern können, sind die beiderseitigen Gewinne aus Freihandel besonders groß. Migration und Freihandel sind nämlich bezüglich der ökonomischen Wirkungen und der Wohlfahrtsgewinne, die daraus resultieren, weitgehend Substitute, wie die reine Außenhandelstheorie schon lange nachgewiesen hat. Wenn die Migration nicht möglich ist und sich insofern unterschiedliche Lohnstrukturen zwischen den beteiligten Ländern ergeben, sind die Handelsgewinne besonders groß. Unterschiedliche Lohnstrukturen bedingen nämlich unterschiedliche Güterpreisstrukturen, die selbst wiederum der Grund für die Freihandelsgewinne sind. Kurzum: die EU würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie nicht auf die Freihandelsbegehren der Briten einginge.

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