varoufakis63_Rosemary CalvertGetty Images_eubrexiteuropoundflag Rosemary Calvert/Getty Images

Die verborgene Rationalität des Brexit

ATHEN – Rationale politische Umbrüche werden an historischen Wendepunkten häufig aus völlig falschen Gründen herbeigeführt. Der Brexit des britischen Premierministers Boris Johnson könnte sich als typisches Beispiel hierfür erweisen.

Als US-Präsident Richard Nixon im August 1971 das Bretton-Woods-System aufgab, waren seine Gründe kurzsichtig. Nixon stand unter überwältigendem innenpolitischen Druck, ineffektive Preiskontrollen zu verhängen, um seine Unterstützer aus der Arbeiterschicht zu besänftigen, und ließ daher das größere Gesamtbild außer Acht.Trotzdem folgte er einem vernünftigen Instinkt: Historische Kräfte hatten gegen die Lebensfähigkeit dieses bemerkenswerten globalen Währungssystems der Nachkriegszeit entschieden. Sobald Amerika sich vom globalen Nettogläubiger zum Schuldnerland mit anhaltendem Defizit gegenüber der übrigen kapitalistischen Welt wandelte, war Bretton Woods dem Untergang geweiht, da die US-Notenbank einen festen Wechselkurs gegenüber der D-Mark, dem Yen, dem Franken usw. nicht mehr garantieren konnte.

Medianeinkommen und Lebensstandard der amerikanischen Arbeiter haben sich vom sogenannten Nixon-Schock nie wieder erholt, und die resultierende Finanzialisierung des Kapitalismus hat der Menschheit geschadet. Doch lässt dies die tiefergreifende Rationalität von Nixons Entscheidung unberührt.

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