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Brexit und die Zukunft Europas

PARIS – Bisher weiß noch niemand, wann das Vereinigte Königreich eine Agenda für die Verhandlungen seines Rückzugs aus der EU vorlegen wird. Aber es ist bereits klar, dass der Brexit die Karte Europas verändern wird. Und besonders angesichts der spektakulären Unbeholfenheit Großbritanniens im Umgang mit den Folgen der eigenen Entscheidung - Strategie, Prioritäten und sogar der Zeitplan bleiben unklar - bedeutet das, dass die EU jetzt herausfinden muss, wie sie das Beste daraus machen kann. Das kann folgendermaßen funktionieren. 

Beginnen wir mit den wenigen Gewissheiten: Die Brexit-Verhandlungen werden lang, komplex und bitter. Die Scheidung wird weit reichende geopolitische Folgen haben. Die unmittelbare Konsequenz wird sein, dass eine bereits 60 Jahre währende Integrationsdynamik erst einmal an der Endstation angekommen ist. Auch Europa wird kurz- und langfristig darunter leiden, da in den kommenden fünf Jahren eine erhebliche politische Energie in den Brexit fließen wird. Und das gerade zu einer Zeit, in der die EU ihre Ressourcen braucht, um internen und externen Gefahren zu begegnen. Längerfristig wird der Brexit wahrscheinlich Europas Ausscheiden aus der vordersten Front der globalen Entscheidungsfindung beschleunigen.

Auch Großbritannien wird sich diesen Folgen nicht verschließen können. Es kann zwar aus der EU austreten, aber Europa physisch nicht verlassen.

Aus diesem Grund müssen die europäischen Partner Großbritanniens, die den Brexit nicht gewollt haben, dessen Konsequenzen dennoch erfolgreich bewältigen. Dafür müssen zunächst zwei Prioritäten abgewogen werden. Das taktische Ziel muss sein, eine Einigung mit dem Vereinigten Königreich zu erzielen, die die Integrität der EU bewahrt. Das strategische Ziel ist, den Wohlstand und den Einfluss Europas zu wahren.