city of london John Keeble/Getty Images

Die wirtschaftliche Seite des Brexits

LONDON – Vor fast einem Jahr entschieden sich die Briten mit 52 zu 48 Prozent für einen Austritt aus der Europäischen Union. Vielerorts rechnete man damit, dass dieses Votum zu schwerer wirtschaftlicher Volatilität führen würde. Doch bislang erwies sich die Wirtschaft als widerstandsfähig, obwohl es im Vorfeld der in dieser Woche stattfindenden vorgezogenen Parlamentswahlen Anzeichen dafür gibt, dass eine höhere Inflation ihren Tribut von Verbrauchern und einigen Unternehmen fordert. Die Frage lautet, ob die Wirtschaft dem eigentlichen Scheidungsverfahren standhalten kann. 

Im Gefolge der Brexit-Abstimmung halfen rasche Maßnahmen der Bank of England, die Finanzmärkte zu beruhigen und den Kreditfluss aufrechtzuerhalten. Anders als während der globalen Finanzkrise des Jahres 2008 sind die Kreditkosten für die meisten Firmen und Familien in Großbritannien nicht gestiegen: wenn überhaupt, sind sie eher gesunken. Und die ganze Zeit haben britische Verbraucher getan, was sie am besten können: nämlich ihr Geld in Geschäften und im Online-Handel ausgeben. Die Ausgaben der privaten Haushalte unterstützten im letzten Jahr ein Gesamtwachstum von annähernd 2 Prozent.

Die große Veränderung auf den Finanzmärkten bestand in einem drastischen Wertverlust des Pfund. Der schwächere Wechselkurs verhalf den in Großbritannien ansässigen Exporteuren zu stärkerer Wettbewerbsfähigkeit. Die von der Confederation of British Industry (als deren Chefökonomien ich tätig bin) durchgeführte Erhebung Industrial Trends Survey wies den stärksten Anstieg bei Exportaufträgen in der Fertigung seit 2011 aus. Doch dabei handelt es sich um ein zweischneidiges Schwert: aufgrund steigender Preise bei Importen sind die britischen Hersteller auch mit dem stärksten Anstieg der durchschnittlichen Stückkosten seit 2011 konfrontiert.   

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