Brasiliens Ölrausch

SÃO PAULO – Brasilien ist bereit, seinen Platz unter den Ölmächten der Welt einzunehmen. Schätzungen seiner neu entdeckten Ölreserven positionieren es auf Platz acht der Ölförderländer, vor Nigeria sowie vor Brasiliens Rivalen um Einfluss in Lateinamerika, Venezuela. Ein derartiger neu entdeckter Reichtum ist normalerweise ein Grund zum Feiern. Doch ist der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva fest entschlossen, dass mit dem neuen Ölreichtum kein „Unfug“ getrieben werden darf, vielleicht aus Angst vor dem berüchtigten „Ressourcenfluch“, der die Entwicklung so vieler Länder, die mit wertvollen Mineralvorkommen gesegnet waren, zunichte gemacht hat.

Im Jahre 2007 wurden vor der brasilianischen Küste riesige Erdölvorkommen entdeckt. Vorsichtige Schätzungen beziffern diese Reserven auf ungefähr 30 Milliarden Barrel. Crédit Suisse und andere Investmentbanken meinen, es seien 50 Milliarden Barrel verfügbar.

Die Entdeckung ist das Ergebnis einer strategischen Vorgehensweise, die mehrere aufeinander folgende brasilianische Regierungen verfolgt haben, was in Lateinamerika ungewöhnlich ist. Als der Iran-Irak-Krieg 1989 die Öl konsumierenden Nationen zum Zittern brachte, begann Brasilien damit, sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner Schutzzone von 200 Seemeilen nach Energievorräten zu suchen. Die Größe der zu durchsuchenden Meeresgebiete war riesig, was ihnen den Namen „Blaues Amazonien“ einbrachte.

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