0

Aufbruch in Brasilien

Das vielleicht wichtigste unerkannte Thema im Bereich der internationalen Entwicklung ist in diesen Tagen der wirtschaftliche Aufbruch Brasiliens. Vor zwei Jahren galt Brasiliens Wirtschaft als hoffnungsloser Fall, und es wurde allgemein erwartet, dass die Wahl des Kandidaten der Arbeiterpartei Luiz Inácio ,,Lula" da Silva zum Präsidenten den finanziellen Zusammenbruch des Landes auslösen würde.

Statt dessen hat Lula Brasilien mit bemerkenswerter Umsicht regiert, und es deutet sich ein deutliches wirtschaftliches Wachstum an. Noch etwas Grundsätzlicheres jedoch zeichnet sich ab: Brasilien ist möglicherweise endlich dabei, einige der größten Hürden für seine wirtschaftliche Entwicklung zu überwinden - Hürden, die das Land über Jahrzehnte hinweg zurückgeworfen haben. Sollte dies gelingen, so könnte es nicht nur den Beginn des wirtschaftlichen Aufstiegs Brasiliens bedeuten, sondern auch eine wirtschaftliche Erholung in anderen Teilen Südamerikas.

Im Januar 2002 versetzte der Gedanke an eine linke Revolution in Brasilien die politische Rechte in Amerika in Angst und Schrecken. Ausländische Anleger gerieten in Panik angesichts der Aussicht, dass Brasilien seine Auslandsschulden nicht bedienen würde.

Der IWF jedoch machte seine Sache ausnahmsweise gut, indem er nach der Wahl einen Stützungskredit gewährte und Lula politischen Rückhalt bot. Lula seinerseits verfolgte eine orthodoxe Wirtschaftspolitik und bemühte sich, das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen, und stoppte so die Panik. Die Prognosen des Marktes für das brasilianische Wachstum in 2004 liegen inzwischen bei etwa 4 %.