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Schöne neue Finanzwelt

CAMBRIDGE, MASS.: Es bahnt sich innerhalb der G20 ein enormer Konflikt über die Zukunft des globalen Finanzsystems an. Das Ergebnis könnte die Welt – und nicht nur die esoterische Welt des internationalen Finanzwesens – für Jahrzehnte beeinflussen.

Das Finanzwesen beeinflusst die Ausgestaltung von Macht, Ideen und Einfluss. Zyniker mögen sagen, dass sich an den Grundlagen des globalen Finanzsystems nichts ändern wird, aber sie irren. Aller Wahrscheinlichkeit werden wir in den nächsten Jahren enorme Veränderungen erleben, womöglich in Gestalt einer internationalen Finanzaufsicht oder -vereinbarung. Tatsächlich ist es praktisch unmöglich, den aktuellen Schlamassel zu beseitigen ohne eine Art Kompass, der die Richtung des zukünftigen Systems weist.

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien sind natürlich an einem System interessiert, das geeignet ist, ihnen die Ausweitung ihrer Vorherrschaft zu ermöglichen. US-Finanzminister Timothy Geithner hat vor kurzem die allgemeinen Umrisse eines eher konservativen Regimes für die Finanzaufsicht skizziert. Selbst Kritiker der amerikanischen Liederlichkeit der vergangenen Jahre müssen zugeben, dass Geithners Vorschlag einige gute Ideen enthält.

In erster Linie würden die Aufsichtsbehörden die Finanziers zwingen, mehr Bargeld zu halten, um eigene Wetten abzusichern, und sich nicht als Kugelfang auf den Steuerzahler zu verlassen. Geithner will außerdem, dass Finanzgeschäfte einfacher und problemloser bewertet werden können, damit Verwaltungsräte, Aufsichtsbehörden und Anleger die Risiken, mit denen sie es zu tun haben, besser einschätzen können.