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Wie viel Schulden sind zu viel?

CHICAGO – Angesichts der verheerenden COVID-19-Pandemie haben die Regierungen in den hochentwickelten Volkswirtschaften ihre Staatssäckel aufgeschnürt, um private Haushalte und Kleinunternehmen zu unterstützen, und dafür in vielen Fällen zwischen 15% und 20% vom BIP ausgegeben. Das kumulative Schuldenniveau übersteigt nun in vielen entwickelten Ländern das BIP, und im Durchschnitt betrachtet nähert sich die Verschuldung als Anteil vom BIP, was die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angeht, inzwischen Höchstständen.

Trotzdem können es sich die hochentwickelten Volkswirtschaften laut Olivier Blanchard und anderen Ökonomen angesichts des niedrigen Zinsniveaus leisten, noch viel mehr Schulden zu machen. Berechnungen anhand von Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen, dass die staatlichen Zinszahlungen in den zwei Jahrzehnten vor der Pandemie in diesen Ländern von über 3% vom BIP auf rund 2% gesunken sind, obwohl sich die Schuldenquoten um mehr als 20 Prozentpunkte erhöht haben. Und da für einen großen Teil der neu ausgegebenen Staatsanleihen inzwischen Negativzinsen gezahlt werden, dürfte die zusätzliche Kreditaufnahme den Zinsaufwand noch weiter verringern.

Welche Grenzen sind der staatlichen Kreditaufnahme in dieser seltsamen Welt ultraniedriger Zinssätze gesetzt? Laut den Befürwortern der modernen Geldtheorie gar keine, zumindest was Länder angeht, die Anleihen in eigener Währung ausgeben können und noch freie Produktivkapazitäten haben. Schließlich könne die Notenbank einfach Geld drucken, um fällig werdende Anleihen zu tilgen, und dies würde nicht zu Inflation führen, solange es eine beträchtliche Arbeitslosigkeit gebe. Kein Wunder also, dass die moderne Geldtheorie für Politiker, die sich zur Abmilderung sämtlicher Probleme für höhere Staatsausgaben aussprechen, die Idee der Wahl ist.

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