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Wie beängstigend ist der Anleihenmarkt?

NEW HAVEN – Die Preise langfristiger Staatsanleihen sind in den letzten Jahren stark gestiegen (was bedeutet, dass ihre Rendite stark gefallen ist). In den Vereinigten Staaten hat die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen am 30. Januar mit 2,25% ein Rekordtief erreicht (seit Beginn der Federal-Reserve-Serie 1972). Am selben Tag fiel der Ertrag der britischen 30-Jahres-Anleihe auf 2,04%. Die japanische Anleihe mit 20-jähriger Laufzeit erzielte am 20. Januar nur noch 0,87%.

Diese Erträge haben sich seitdem etwas erhöht, bleiben aber auf außergewöhnlich niedrigem Niveau. Dass Menschen ihr Geld für 20 bis 30 Jahre anlegen, um weniger oder kaum mehr zu bekommen als die 2%-Zielinflationsrate der Zentralbanken, ist verwunderlich – und nicht nachhaltig. Während also der Anleihenmarkt reif für eine dramatische Korrektur erscheint, fragen sich viele, ob ein Crash dort auch Märkte für andere langfristige Anlagen wie den Immobilien- oder Aktienmarkt beeinträchtigen könnte.

Diese Frage höre ich bei Seminaren oder Konferenzen immer wieder. Immerhin gestalten die Teilnehmer am Immobilien- und Aktienmarkt die Preise mit Blick auf diejenigen am Anleihenmarkt, also scheint die Ansteckung eines Langfristmarktes durch einen anderen durchaus möglich.

Schon seit langer Zeit mache ich mir über den Anleihenmarkt Gedanken. Bereits 1972 war der langfristige Anleihenmarkt Thema meiner Dissertation und im Jahr darauf meiner ersten wissenschaftlichen Veröffentlichung überhaupt, die von meinem akademischen Berater Franco Modigliani mitverfasst wurde. Unsere Arbeit mit Daten aus den Jahren 1952-1971 zeigte, dass der langfristige Anleihenmarkt damals sehr einfach zu beschreiben war. Die langfristigen Zinsen konnten zu einem beliebigen Zeitpunkt leicht als speziell gewichteter Durchschnitt der Inflation und der kurzfristigen Realzinsen der letzten 18 Quartale bestimmt werden. Bei steigender Inflation oder steigenden Kurzfristzinsen stiegen auch die Langfristzinsen. Bei fallenden Werten war es umgekehrt.