0

BMWs und chinesische Gerechtigkeit

Der Name "BMW" steht an den meisten Orten für Luxus und Exklusivität. In China hingegen wurde die Marke ohne ihr Zutun in Geschichten verstrickt, die die Machtlosigkeit ganz gewöhnlicher Chinesen gegenüber den Mächtigen und Korrupten veranschaulichen.

Der erste Skandal ereignete sich im vergangenen Jahr, nachdem ein mit grünen Zwiebeln beladener Traktor in Harbin einen BMW an der Seite zerkratzte. Der Traktor und die silbermetallicfarbene Luxuskarosse wurden beide von 45-jährigen Frauen gesteuert, da hörten die Gemeinsamkeiten zwischen beiden aber auch schon auf: erstere war Bäuerin, letztere die Ehefrau eines reichen Geschäftsmannes. Nach einer Auseinandersetzung zwischen den beiden steuerte die wohlhabende Ehefrau ihren BMW in die wachsende Menge der Schaulustigen am Straßenrand, tötete dabei die Bäuerin und verletzte zwölf der Umstehenden.

Der Fall kam vor das Bezirksgericht, wo der Richter entschied, dass es sich um eine "durch Unfall verursachte Verkehrsbehinderung" handelte und die Fahrerin zu zwei Jahren mit Bewährung verurteilte. Das Urteil des Richters setzte Gerüchte in Gang, er habe Milde walten lassen, weil der Ehemann der Fahrerin mit hochrangigen Provinzbeamten verwandt ist. Das Ganze entwickelte sich schnell zu einer Geschichte, die von "reich gegen arm" handelt und vielerorts als Beispiel für Korruption auf hoher Ebene angeführt wird.

In den folgenden Monaten begleiteten Zeitungen und Fernsehsender die Geschichte, die sich lawinenartig zu einer nationalen Besessenheit entwickelte. Beunruhigt über die Reaktion der Öffentlichkeit, verfügte der Richter in Harbin eine Wiederaufnahme des Falles, was lediglich zu einer Bestätigung der Bewährungsstrafe führte, als der Fall im März dieses Jahres abgeschlossen wurde. Die große BMW-Geschichte vom Jahresende 2003 machte noch einmal leise von sich reden, bevor sie endgültig wieder begraben wurde.