Demonstrative Wohltätigkeit

PRINCETON – Jesus sagte, dass wir Almosen im Verborgenen geben sollen und nicht vor den Augen der anderen. Das passt zur landläufigen Vorstellung, dass Menschen, die ihre Wohltätigkeit nur öffentlich ausleben, möglicherweise vom Wunsch motiviert sind, es aufgrund ihrer Großzügigkeit zu Anerkennung zu bringen. Wenn keiner hinsieht, sind sie vielleicht gar nicht so generös.

Dieser Gedanke bringt uns möglicherweise dazu, jene Art philanthropischer Graffitis zu verachten, die prominent platzierte Namen von Gönnern auf Konzerthäusern, Museumsgebäuden und Bildungseinrichtungen zeigen. Oftmals prangen dabei die Namenszüge nicht nur einmal über dem ganzen Gebäude, sondern auch auf so vielen Gebäudeteilen wie Spendenorganisationen und Architekten es möglich machen.  

Laut Evolutionspsychologie handelt es sich bei einer derart demonstrativen Form der Wohltätigkeit um die menschliche Entsprechung der Schwanzfedern des männlichen Pfaus. Ebenso wie der Pfau mit seinem Rad Stärke und Fitness demonstriert – aus praktischer Sicht eigentlich eine reine Verschwendung von Ressourcen – so signalisiert kostspielige öffentliche Wohltätigkeit potenziellen Partnern, dass man genug Ressourcen besitzt, um so viel herzugeben.

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