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Schuld ist der Kapitalismus, sagen die Korporatisten

NEW YORK – Die Zukunft des Kapitalismus steht wieder einmal zur Diskussion. Wird er die anhaltende  Krise in seiner aktuellen Form überleben? Und wenn nicht: Wird sich der Kapitalismus verändern oder wird der Staat das Ruder übernehmen?

Mit dem Ausdruck „Kapitalismus“ wurde üblicherweise ein Wirtschaftssystem bezeichnet, in dem mit privaten Kapital gehandelt wurde. Die Eigentümer des Kapitals mussten beurteilen, wie es am besten einzusetzen sei und konnten sich dabei der Weitsicht und der kreativen Ideen von Unternehmern und innovativen Denkern bedienen. Dieses System individueller Freiheit und Verantwortung ließ dem Staat wenig Möglichkeiten, Einfluss auf die wirtschaftliche Entscheidungsfindung zu nehmen. Erfolg bedeutete Profit, Misserfolg hieß Verlust. Unternehmen konnten nur so lange bestehen, so lange freie Individuen beschlossen, deren Produkte zu kaufen – andernfalls waren diese Unternehmen rasch wieder weg vom Fenster.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte der Kapitalismus die Fähigkeit zu beständiger Innovation und wurde zum marktbeherrschenden Element. Gesellschaften, die das kapitalistische System übernahmen, erlangten konkurrenzlosen Wohlstand, erfreuten sich verbreiteter Arbeitszufriedenheit, erzielten ein sagenhaftes Produktivitätswachstum und setzten der Massenverarmung ein Ende.  

Nun ist dieses kapitalistische System beschädigt. Der managerielle Staat hat die Verantwortung übernommen, sich um alles zu kümmern – von den Einkommen der Mittelschicht über die Ertragskraft großer Unternehmen bis hin zur industriellen Entwicklung. Bei diesem System handelt es sich allerdings nicht um Kapitalismus, sondern eher um eine Wirtschaftsordnung, die sich an Bismarck im späten 19. Jahrhundert und an Mussolini im 20. Jahrhundert anlehnt: den Korporatismus.