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Der Zug der schwarzen Schwäne

Das Bild des schwarzen Schwans ist in der aktuellen Krise zum Symbol für das völlig Unerwartete, für das Unmögliche geworden, das aber dann doch eintrifft und die Welt auf den Kopf stellt. In diesem Jahr wird es reichlich Anlässe geben, der schwarzen Schwäne zu gedenken und sich auf die Ankunft weiterer vorzubereiten.

So wird sich im kommenden November zum zwanzigsten Mal der Fall der Berliner Mauer jähren. In dieser Nacht des 9. November 1989 begann das Ende der Sowjetunion und ihres Imperiums und damit auch der bipolaren Welt, die über fünf Jahrzehnte hinweg Deutschland und Europa geteilt hatte. Kaum jemand hatte zuvor dieses weltumstürzende Ereignis für möglich gehalten, und doch geschah es, quasi über Nacht.

Der damals siegreiche westliche Kapitalismus, angeführt von der alleinigen Weltmacht USA, dominierte nach dem Verschwinden der Sowjetunion und der bipolaren Weltordnung fortan unangefochten die globale Politik und noch mehr die globale Wirtschaft.

Der weltweite Durchsetzung des Marktes, die Überwindung aller bisherigen Grenzen des Reichtums schienen Wirklichkeit zu werden und niemand und nichts vermochte den globalen Siegeszug des westlichen Kapitalismus aufzuhalten – bis zu jenem 15. September 2008, als Lehman Brothers pleite ging, und die Kernschmelze des Weltfinanzsystems begann.