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Die Ökonomie der Gewalt

KOPENHAGEN – Was ist die größte Quelle der Gewalt in unserer Welt? Brutale Konflikte in Syrien, in der Ukraine und andernorts sind ständig Thema in den Nachrichten und deshalb würden viele vermutlich sagen Krieg. Doch das erweist sich als großer Irrtum.

Die richtige Antwort spielt eine Rolle, wenn wir kosteneffiziente Lösungen für dieses und andere globale Probleme finden wollen. Es liegt auf der Hand, dass ein jeder Krieg und Gewalt gern beenden würde, genau wie wir Armut, Hunger und der Erderwärmung gern ein Ende setzen und allen Menschen Zugang zu Bildung verschaffen würden. Doch angesichts begrenzter Mittel sind dem, was die internationale Gemeinschaft tun kann, Grenzen gesetzt. Wir müssen Prioritäten setzen und dafür kann man eine ökonomische Kosten-Nutzen-Analyse heranziehen.

Die internationale Gemeinschaft arbeitet an neuen Entwicklungszielen für die nächsten 15 Jahre und der Copenhagen Consensus hat einige der führenden Ökonomen der Welt gebeten zu beurteilen, welche Ziele aus ihrer Sicht am klügsten wären. Ist das Ziel, die Gewalt zu verringern den Einsatz von Mitteln wert, die andernfalls, zum Beispiel, in die Bekämpfung des Hungers fließen würden? Und, wenn ja, welche Formen von Gewalt sollten ins Visier genommen werden?

Einer Studie von James Fearon von der Universität Stanford und Anke Höffler vom Center for the Study of African Economies der Oxford University zufolge stellt Gewalt in der Gesellschaft – Morde und vor allem Gewalt gegen Frauen und Kinder – ein weitaus größeres Problem dar als Bürgerkriege. Auf jedes Todesopfer auf dem Schlachtfeld eines Bürgerkrieges kommen neun Menschen, die durch zwischenmenschliche Gewalt ums Leben kommen, und auf je zwei Kämpfer, die umkommen, kommt ein getötetes Kind.