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Die koloniale Falle

NEW YORK – Am 20. Februar 1947 teilte der sozialistische britische Premierminister Clement Attlee dem Parlament mit, dass Indien spätestens im Juni 1948 in die Unabhängigkeit entlassen würde. Attlee konnte den Rückzug der Briten aus einem Land, dessen muslimische und hinduistische Führer seit langem die Unabhängigkeit forderten, kaum erwarten. In Indien waren jedoch blutige Unruhen ausgebrochen. Muslimische Führer fürchteten die Vorherrschaft der Hindus. Die Befürchtung, dass die Briten durch einen Bürgerkrieg in eine unkontrollierbare Lage geraten könnten, veranlasste Attlee, die britische Kolonialherrschaft sogar noch früher zu beenden.

Die indische Unabhängigkeit begann am 14. August 1947. Pakistan wurde abgespalten. Gewaltexzesse zwischen Hindus und Muslimen forderten eine halbe Million Menschenleben. Viele weitere verloren ihre Heimat. Die Wunden der Teilung sind noch immer nicht verheilt.

Attlee wurde von vielen Seiten vorgeworfen, zu früh abgezogen und die ehemalige Kolonie im Chaos zurückgelassen zu haben. Wäre doch nur eine bessere Polizei organisiert worden. Hätte doch nur die Armee für Ordnung sorgen können. Wären die Briten doch erst dann abgezogen, wenn Stabilität im Land geherrscht hätte.

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