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Amerikas Berlusconi

LONDON – In den ersten Wochen nach der Wahl rätselte die Welt, wie sich der designierte US-Präsident Donald Trump nach einem langen Wahlkampf voller widersprüchlicher Äußerungen wohl im Amt verhalten wird und welche Politik er verfolgen will. Die Amtszeiten jener zwei amerikanischen Präsidenten, bei denen es sich ebenfalls um Geschäftsmänner handelte - Warren G. Harding und Herbert Hoover  - sind schon zu lange vorbei, um einen Leitfaden zu bieten. Allerdings gibt es einen europäischen Präzedenzfall aus der jüngeren Vergangenheit: Italiens Silvio Berlusconi.

Berlusconi leistete Pionierarbeit in Bereichen, die Trump nun erreicht hat. Ebenso wie Trump ist auch Berlusconi Geschäftsmann, der sein Vermögen zunächst mit Immobilien machte. Als er 1994 in die Politik einstieg, tat er dies als Außenseiter, allerdings als einer, der - wie Trump - schon lange über enge Kontakte zu Insidern verfügte.

Die Ähnlichkeiten gehen noch weiter. Sowohl Trump als auch Berlusconi sind mit Gerichtssälen von innen bestens vertraut; seit seiner Wahl hat sich Trump rasch bemüht, Betrugsverfahren gegen die Trump-Universität beizulegen, wobei allerdings noch etwa 70 weitere Verfahren gegen ihn und seine Firmen anhängig sind. Und aufgrund ihrer großen Firmenimperien liegt bei beiden Männern eine Reihe von Interessenskonflikten hinsichtlich ihrer Rolle als Regierungschefs vor.

Ebenso wie Trump gelang es Berlusconi, sich als reicher Mann und als Populist zu präsentieren. Er zog es vor, mit den Menschen direkt zu kommunizieren und traditionelle Medien und Parteistrukturen zu umgehen. Sein Hang zu glamourösen Frauen und prächtigen Eigenheimen verstärkte seine Beliebtheit bei den Menschen irgendwie noch.