sierakowski61_Natalia FedosenkoTASS via Getty Images_belarusprotest Natalia Fedosenko/TASS via Getty Images

Lukaschenkos Ceauşescu-Moment?

MINSK – An einem gewissen Punkt beginnen alle Diktatoren, ihre eigenen Lügen zu glauben. Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko ist dafür ein gutes Beispiel: Er verhält sich jetzt so, als hätte er bei einer Wahl, für deren Fälschung er selbst gesorgt hat, tatsächlich 80% der Stimmen bekommen.

Als friedliche Protestmärsche durch die belarussischen Städte zogen, besuchte Lukaschenko, am 17. August die Traktor- und Automobilfabriken von Minsk. Beide Werksanlagen spielen nicht nur für die Wirtschaft des Landes eine wichtige Rolle, sondern auch für seine nationale Identität, und beide sind seit langem eine Grundlage für Lukaschenkos Macht. Alle, die die Häuserblöcke der Arbeiter an der Straße des Sozialismus in Minsk gesehen haben, verstehen das quid pro quo: Für einen „Mann des täglichen Lebens“, wie der polnische Dissident Jacek Kuroń zu sagen pflegte, sind diese Unterkünfte weit überdurchschnittlich.

Trotzdem, als Lukaschenko in dieser Woche an diese Arbeiter appellierte, hörte er nicht „Wir werden helfen“, sondern „Ukhodi!“ – „Geh weg!“ oder „Hau ab“ (Auch aggressivere Rufe wie „Erschieß dich“ waren zu hören.) Die Episode hat ergreifende historische Parallelen, die Lukaschenko Sorgen bereiten sollten. Als der rumänische Diktator Nicolae Ceauşescu im Dezember 1989 vor einer riesigen Menge Demonstranten sprach, wurde auch er gestört und verspottet. Bald danach verlor er seine Macht.

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