Margaret Scott

Russlands europäische Aussichten

MOSKAU – 1966 war Charles de Gaulles Vision eines Europas, „das sich vom Atlantik bis zum Ural erstreckt“ eine Provokation. Heute hat der russische Präsident Wladimir Putin ein noch ehrgeizigeres Ziel vorgebracht: „Einen gemeinsamen Markt, der sich vom Atlantik bis zum Pazifik erstreckt.“

Beim Globalisierungswettbewerb steht für Russland und Europa gleichermaßen viel auf dem Spiel. Wenn Russland seine derzeit eingeschlagene Richtung beibehält und sich allein auf die Produktion von Rohstoffen verlässt, wird es nicht nur zunehmend anfälliger für globale Schwankungen der Energiepreise, sondern sein Potenzial in Wissenschaft, Kultur und Bildung wird weiter verfallen, was das Land schließlich seines globalen Einflusses berauben wird.

Wenn es Europa seinerseits nicht gelingt, auf die Herausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts einzugehen, wird es mit chronischer wirtschaftlicher Stagnation, zunehmenden sozialen Spannungen und politischer Instabilität konfrontiert sein. Da die Industrieproduktion nach Ostasien abwandert und die Innovationskraft in Nordamerika bleibt, läuft Europa Gefahr, seine Position auf den attraktivsten internationalen Märkten zu verlieren. Infolgedessen könnte das europäische Projekt selbst in Frage gestellt werden.

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