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Geht Barroso über Bord?

BRÜSSEL: José Manuel Barroso muss anfangen, sich besser zu verkaufen. Seine Chancen auf Bestätigung als Präsident der Europäischen Kommission sind abhängig von den Argumenten, die er dafür liefert.

Bis zum Ausbruch der globalen Finanzkrise sah es ziemlich sicher so aus, als ob Barroso eine zweite fünfjährige Amtszeit bekommen würde. Inzwischen wird es immer schwerer, Diplomaten oder Politiker zu finden, die ihn unterstützen. Es heißt, der französische Präsident Nicolas Sarkozy sei enttäuscht von Barrosos Verhalten während des Finanzkollapses im letzten Herbst, und auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, wie es scheint, in der Frage seiner Zukunft nichts mehr zu hören.

Niemand bezweifelt, dass sich Barroso in einer unglücklichen Lage befindet. Die Europäische Kommission hat kaum eigene Befugnisse, um sich der sich in der EU ausbreitenden Rezession entgegenzustellen; die meisten Befugnisse hat diesbezüglich die Europäische Zentralbank. Aber die Kommission kann sich zu Wort melden, um die Menschen hinter sich zu scharen, und es ist ihr Schweigen, das man Barroso und seinen Mitkommissaren zum Vorwurf macht.

Der vermeintliche Mangel an Führungsstärke der Kommission zu einer Zeit, in der sich die gedrückte wirtschaftliche Stimmung immer mehr vertieft, ist nur die Spitze des Eisbergs. Aufgrund der Ereignisse der letzten Monate haben sich tiefer sitzende Bedenken herauskristallisiert.