0

Der Kardinalfehler der Bankenregulierung

MEDFORD, MASSACHUSETTS – Stellen Sie sich vor, die Hindenburg-Katastrophe hätte einen Streit über Feuerlöscher und Fallschirme ausgelöst, die Luftschiffe an Bord haben sollten, und nicht über die Konstruktionsfehler, die dazu führen können, dass Zeppeline Feuer fangen. Die aktuellen Debatten um die Bankenreform tragen bedauerlicherweise genau diesen Charakter.

Die Abkehr vom roboterhaften Gigantismus des Bankwesens sollte bei einer Reform oberste Priorität besitzen. Einst galt unter Bankern die Devise, jeden Kreditnehmer zu kennen und Kreditentscheidungen von Fall zu Fall treffen. Heutzutage nutzen Banken Modelle, die von Finanzgenies in weiter Ferne hervorgezaubert werden, um in großen Mengen Kreditgeschäfte und eine Vielfalt an Derivaten zu produzieren. Eine derartige „Massenproduktion“ begünstigt das Wachstum von Megabanken und ist der Grund, warum die fehlerhaften Modelle dieser Bankenkolosse, im Gegensatz zu Fehlurteilen von Kreditsachbearbeitern, verheerende Konsequenzen nach sich gezogen haben.

Radikale Vorschläge, etwa vom Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, die dazu beitragen würden, ein widerstandsfähigeres System wiederherzustellen, sind von lautstarken Diskussionen über Maßnahmen übertönt worden, die in keiner Weise den grundlegenden Mängeln des modernen Bankwesens gewidmet sind.

Nehmen wir die scheinbar hitzige Debatte darüber, wie viel Eigenkapital Banken vorhalten sollten. Regulierungsbehörden haben beträchtliche Erhöhungen vorgeschlagen: In einer Studie der Bank of England wurde beispielsweise eine um mehr als dreifache Erhöhung empfohlen.