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Gleichgewicht zwischen Staat und Markt

BERLIN: Im Nachhinein wird man die 2008 ausgebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise als transformatorisches Moment betrachten, weil sie grundsätzliche Fragen über die künftige Form unserer Wirtschaftssysteme aufgeworfen hat. Diese Fragen betreffen dabei weniger das Ende des Kapitalismus – wie einige meinen oder sogar hoffen –, sondern vielmehr die unterschiedlichen Arten, wie man den Kapitalismus in unterschiedlichen Ländern versteht.

Was wir heute erleben, ist eine Umkehr der Debatten der 1980er Jahre. Damals witzelte Ronald Reagan: „Die neun furchteinflößendsten Worte der englischen Sprache lauten: ‚I’m from the government and I’m here to help!’“ (Ich bin von der Regierung und hier, um zu helfen.) Heute, da die Regierungen Billionen von Dollars, Euros, Yen und Pfund Sterling zur Stabilisierung der Finanzmärkte und der Wirtschaft im Allgemeinen ausgegeben haben, scheinen diese Worte deutlich weniger beängstigend.

Tatsächlich hat der Glaube an den Markt gelitten, während das Vertrauen in Staat und Regulierung zunehmen. Nach Jahrzehnten des Konsenses, dass der Staat die Regeln festlegen und den Privatsektor ansonsten in Ruhe lassen solle, wird Ersterer nun weithin als segensreiche Kraft angesehen, die eine aktive Rolle innerhalb der Wirtschaft spielen sollte.

Dies geschieht trotz des Fehlens klarer Anzeichen für die Überlegenheit des Staates. Im Gegenteil, die heftige Intervention der US-Regierung auf dem amerikanischen Häusermarkt ist vermutlich das treffendste Beispiel für die Schwächen des Staates – eines, das zweifelsohne wesentlich zu dieser Krise beigetragen hat.