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Die globale Bedrohung der Demokratie

OXFORD – Auf der ganzen Welt werben Populisten mit ihren Versprechungen, einfache Leute vor den harten Realitäten der Globalisierung zu beschützen, erfolgreich um Wählerstimmen. Sie behaupten, man könne nicht darauf vertrauen, dass das demokratische Establishment diese Aufgabe erfüllt, da es zu sehr damit beschäftigt sei die Reichen zu beschützen – eine Gepflogenheit, die durch die Globalisierung nur noch ausgeprägter geworden ist.

Jahrzehntelang galt, dass die Globalisierung allen zugutekommen würde. Auf internationaler Ebene hat sie den Aufstieg der Tigerstaaten und der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) ermöglicht, für schnelles Wirtschaftswachstum in ganz Afrika gesorgt und bis 2007 den Aufschwung in entwickelten Ländern gefördert. Sie hat zudem neue Möglichkeiten eröffnet und das Wachstum innerhalb der Länder verstärkt. Doch seit der Finanzkrise 2008 stehen viele reiche Länder unter einem Austeritätsregime; das Wachstum asiatischer Volkswirtschaften hat sich verlangsamt; die Entwicklung der BRICS-Staaten ist ins Stocken geraten und in vielen afrikanischen Ländern ist die Verschuldung erneut gestiegen.

All das hat zu zunehmender Ungleichheit beigetragen, die jetzt für wachsende Unzufriedenheit sorgt. Berechnungen von Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zufolge ist das Wohlstandsgefälle in den Vereinigten Staaten heute so groß wie noch nie seit der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre in den USA: Das reichste ein Prozent der Haushalte besitzt heute knapp die Hälfte des Gesamtvermögens des Landes.

Im Vereinigten Königreich hat das Office for National Statistics einen Bericht veröffentlicht, demzufolge 45% des gesamten Reichtums im Land im Zeitraum von 2012 bis 2014 auf die reichsten 10% der Haushalte entfielen. Seit Juli 2010 ist der Wohlstand der oberen zehn Prozent dreimal so schnell gestiegen wie der der unteren 50% der Bevölkerung.