Paul Lachine

Avanti Dilettanti!

Als ich neulich von einer sechstägigen Reise in die USA nach Europa zurückkehrte und die Zeitungen über die jüngste Irlandkrise studierte, da ging mir zum ersten Mal der Gedanke durch den Kopf, dass der Euro und damit die EU als historisches Einigungsprojekt scheitern könnte. Denn auf Dauer wird die EU ihre  Zerrissenheit ihrer Interessen und die sich daraus ergebende verstärkte Renationalisierung in allen Mitgliedstaaten nicht ohne schweren Schaden zu nehmen aushalten können.

Auf dem Höhepunkt der Irlandkrise, die vor allem eine Vertrauenskrise in die Stabilität der Banken und in die Stärke und Kompetenz der politischen Führungen in Europa ist, hieben die Staats- und Regierungschefs öffentlich aufeinander ein wie die berühmt-berüchtigten Kesselflicker. Man wolle den Euro retten, hieß es zwar, aber anstatt Vertrauen zu schaffen, taten die beteiligten Staats- und Regierungschefs das genaue Gegenteil. Und entsprechend nervös reagierten die Finanzmärkte, was die irische Krise noch verschärfte.

Aus Deutschland kam dann noch ein spezifischer Beitrag zur Krisenverschärfung, nämlich eine öffentliche Debatte über die Beteiligung der Banken an der Finanzierung der Krise ab 2013 (in zwei Jahren also!). Warum man diese Debatte jetzt und mitten in der Irlandkrise laut zu führen hatte, bleibt das Geheimnis von Angela Merkel. Es ging wohl erneut um deutsche Innenpolitik pur, denn diese Forderung ist zu Recht populär, der Rettungsschirm für Irland aber das genaue Gegenteil davon. Allerdings wäre es zielführender, wenn man die Bankenbeteiligung machen und nicht zwei lange Jahre ankündigen würde.

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