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Asiens vergessene Großmacht

Erwähnen Sie Asien, und die meisten Leute werden an einen der beiden faszinierenden, aufstrebenden Giganten der Region, Indien oder China, denken. Oder an beide. Oder an Nordkoreas Atomprogramm, an ein paar Terroranschläge oder die humanitären Folgen des jüngsten Erdbebens oder Tsunamis. Übersehen – oder zumindest unterschätzt – wird dabei häufig Japan.

Dies ist verwunderlich, da Japan mit einem BIP in Höhe von fünf Billionen Dollar – mehr als China und Indien gemeinsam – noch immer die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Dem relativ bescheidenen Wirtschaftswachstum des Landes zum Trotz beträgt Japans BIP pro Kopf ca. 38.000 Dollar; das ist mehr als zehnmal so viel wie in China oder Indien.

Mehr noch, es gibt deutliche Anzeichen in Japan, die einen Wandel sowohl bei der Konjunktur- wie der Wertpapierentwicklung nahe legen. Die 1990er Jahre mögen ein verlorenes Jahrzehnt gewesen sein; nun aber befindet sich die japanische Wirtschaft im Aufwind. Sie wächst derzeit um mehr als 2% pro Jahr und umfasst eine Reihe enorm erfolgreicher Global Players.

Noch beträchtlicher sind die Veränderungen in der japanischen Außen- und Verteidigungspolitik. Japans Verteidigungsagentur wurde im Januar zu einem vollwertigen Ministerium aufgewertet. Das Land gibt inzwischen mehr als 40 Milliarden Dollar für Verteidigungszwecke aus, und seine Kampftruppen gehören zu den vielseitigsten und modernsten der Welt. Etwa 1000 japanische Soldaten dienen im und um den Irak. Intellektuelle, Journalisten und Politiker äußern sich heute in einer Weise zu Japans Rolle in der Welt, die noch vor einem Jahrzehnt undenkbar gewesen wäre. Die Frage ist wann, nicht ob, die Japaner Artikel IX ihrer Verfassung, der die Rolle des japanischen Militärs auf die Verteidigung beschränkt, ändern werden.