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Das Zeitfenster für die Eurozone schrumpft

PRINCETON – Portugal hat seinen Kreditgebern vor kurzem ein Angebot gemacht: Statt im September 2013 fällige Anleihen einzulösen, würde die Regierung ihre Tilgungsverpflichtung bis Oktober 2015 strecken. Die Transaktion wurde am 3. Oktober abgeschlossen und wird als erfolgreicher Markttest für Portugal interpretiert. Irland hat in letzter Zeit ähnliche Geschäfte abgewickelt und Kurzläufer gegen Papiere mit längeren Laufzeiten getauscht.

Diese Transaktionen lassen die breiter angelegte Strategie erkennen, sich Zeit zu erkaufen. Beide Länder haben begonnen, sich aus der Abhängigkeit von von der Troika (der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds) zur Verfügung gestellten „Rettungsgeldern“ zu lösen, und sind bestrebt, ein längerfristiges, leichter zu bewältigendes Tilgungsprofil ihrer privat gehaltenen Schulden herbeizuführen. Private Investoren erkennen die Realität an, dass sich die Tilgung über längere Zeit hinziehen dürfte, denn ein Beharren auf Einhaltung der bestehenden Zahlungsbedingungen könnte eine unhaltbare Ballung von Schuldendienstzahlungen mit möglicherweise unangenehmen Folgen verursachen.

Der Erfolg dieser Strategie setzt ein ausreichend starkes zwischenzeitliches Wirtschaftswachstum voraus, das die Fähigkeit dieser Länder zur späteren Schuldentilgung stärkt. Es wird erwartet, dass die Schuldenquoten Irlands und Portugals 2013 mit etwa 120% vom BIP ihren Höchstwert erreichen; anschließend, so die Prognosen, sollen sie wieder fallen. Dieser Höchstwert und der anschließende Schuldenrückgang sind in entscheidender Weise vom angenommen Wachstumstempo abhängig.

Doch die Wachstumsaussichten bleiben düster. Die portugiesische Volkswirtschaft wird den jetzigen Erwartungen nach 2013 um ein Prozent schrumpfen. Ende Juni prognostizierte der IWF noch ein bescheidenes Wachstum, und bei Abschluss der Rettungsvereinbarung im Mai 2011 ging man für 2013 von einem BIP-Wachstum von 1,25% aus.