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Künstliche Intelligenz und Globalisierung

Nach der heute gängigen Meinung wird sich im 21. Jahrhundert der Aufstieg Indiens und Chinas als einflussreichster Einzelfaktor auf die Entwicklung von Arbeitsplätzen und Gehältern weltweit erweisen, und gut bezahlte Arbeitnehmer können davon ausgehen, dass ihr Wettbewerbsvorteil durch die Konkurrenz fähiger und enorm hart arbeitender Wettbewerber in Asien, Lateinamerika und möglicherweise eines Tages sogar in Afrika untergraben wird.

Dies ist eine gute Geschichte, voll von Dramatik und Machtpolitik. Ich frage mich allerdings, ob nicht – möglicherweise schon im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte – ein weiterer Faktor unser Arbeitsleben noch stärker beeinflussen wird: die exponentielle Zunahme von Anwendungen mit künstlicher Intelligenz.

Mein eigener Zugang zur Welt der künstlichen Intelligenz ist ein eng umgrenzter: das über 500 Jahre alte Brettspiel Schach. Vielleicht haben Sie an Schach, das lange als ultimativer Denksport betrachtet wurde, nicht ein Jota Interesse. Die atemberaubenden Entwicklungen, die während des vergangenen Jahrzehnts aus der Welt des Schachs zu uns gelangt sind, verdienen trotzdem Ihre Aufmerksamkeit.

Schach stand lange im Mittelpunkt der Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz. Obgleich Schach prinzipiell lösbar ist, ist die rechnerische Komplexität des Spiels nahezu unglaublich. Es wäre übertrieben, zu behaupten, die Anzahl der möglichen Züge in einer Schachpartie überstiege die der Atome in einem Universum – aber nur geringfügig.