Argentina bonds John Gress/Getty Images

Hundert Jahre Verschuldung

CAMBRIDGE – Gabriel Garcia Márquez, der Literaturnobelpreisträger, der für seinen Roman Hundert Jahre Einsamkeit berühmt ist, stammte aus Kolumbien. Trotzdem hätte er, der Meister des Magischen Realismus, sich sicherlich darüber gefreut, wie momentan in Argentinien die Tatsachen mit der Phantasie zusammenspielen. Mitte Juni gab das dortige Finanzministerium US-Dollar-notierte Anleihen im Wert von 2,75 Milliarden Dollar heraus – mit einer Laufzeit von hundert Jahren.

Zweifellos hat die neue argentinische Regierung in kurzer Zeit enorme Fortschritte gemacht. Unter Präsident Mauricio Macri wurden die internationalen Kapitalströme liberalisiert, also kann der argentinische Peso jetzt auf dem Währungsmarkt frei gehandelt werden. Weiterhin hat die Regierung das Problem der ausufernden Subventionen angepackt und eine völlig neue, glaubwürdige Statistikbehörde ins Leben gerufen. Aber es müssen noch viele Versprechen erfüllt werden, darunter der weitere Abbau der Subventionen. Ebenso muss die Regierung auf staatlicher und regionaler Ebene ihre Lohnkosten in den Griff kriegen, die Inflation in den einstelligen Bereich bringen und das Rentensystem überarbeiten, damit es versicherungstechnisch nachhaltig und fairer gegenüber den jüngeren Menschen wird.

Dabei ist es keineswegs leicht, die richtige Balance zwischen schnellen Lösungsansätzen und schrittweisen Anpassungen zu finden. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen der Zentralregierung und den örtlichen Behörden war schon immer schwierig, und die Zeit bis zur nächsten Wahl wird knapp. Den Produktionsrückgang der letzten Rezession wieder aufzuholen wird einige Zeit dauern – und wird durch die wirtschaftlichen Verwerfungen beim nördlichen argentinischen Nachbarn Brasilien noch erschwert.

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