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Sind die Tage des Dollars gezählt?

Vor einem Jahr war der Dollar allmächtig. Heute liegt er darnieder und der Euro erscheint als strahlender Sieger. Verliert der Dollar seinen Rang als die unbestrittene Reserve- und Handelswährung? Oder ist der ,,Euro-Triumphalismus" etwas voreilig?

Diese Frage beschäftigt nicht nur Spekulanten, die den Fall des Dollars mitverfolgen, sondern auch den durchschnittlichen Geschäftsmann, der sich nun fragt, in welcher Währung er Import- oder Exportrechnungen ausstellen soll. Der Rolle der Währungen in der Verrechnung wird nämlich zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Momentan beherrscht der US-Dollar die Szene. Die meisten Exporte und Importe der USA werden in Dollar verrechnet, aber auch im Handel außerhalb der Vereinigten Staaten wird der Dollar weithin als Verrechnungswährung benutzt.

Seit 1980 hat der Dollar allerdings an Boden verloren. Schätzungen der Europäischen Kommission haben ergeben, dass der Anteil des Dollars im Welthandel von 56 % im Jahr 1980 auf 52 % im Jahr 1995 (dem letzten Jahr, für das es offizielle Statistiken gibt) gefallen ist. Der Anteil der Deutschen Mark ist zwischen 1980 und 1995 relativ konstant geblieben. Der Yen liegt weit zurück, weist aber das höchste relative Wachstum auf. Sein Anteil am Welthandel hat sich von 2 % im Jahr 1980 auf beinahe 5 % im Jahr 1995 mehr als verdoppelt.

Einige der Gründe für die jahrelange Vorherrschaft des Dollars als die wichtigste internationale Währung sind niedrigere Transaktionskosten auf den Fremdwährungsmärkten, die historische Rolle des Dollar seit 1945 und die Größe der amerikanischen Wirtschaft. Die Größenfrage ist jedoch komplexer als sie scheint.