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Faschismus im Aufwind?

NEW YORK – Stehen wir vor einer neuen Welle des Faschismus? Viele Menschen scheinen dies zu glauben. Donald Trump wurde als Faschist bezeichnet, ebenso wie Wladimir Putin und eine Vielzahl europäischer Demagogen und rechter Maulhelden. Die momentane Flut an autoritärem Getöse reicht bis in die Philippinen, deren gewählter Präsident Rodrigo („der Bestrafer“) Duterte geschworen hat, Tatverdächtige in die Bucht von Manila zu werfen.

Das Problem bei Begriffen wie „Faschismus“ oder „Nazi“ ist, dass sie von so vielen dummen Leuten in so vielen Situationen so häufig verwendet wurden, dass sie längst jegliche echte Bedeutung verloren haben. Nur noch wenige wissen aus eigener Erfahrung, was Faschismus tatsächlich bedeutet. Der Begriff ist zu einer verallgemeinernden Phrase für Menschen oder Ideen geworden, die uns nicht gefallen.

Durch die locker sitzende Rhetorik wurde nicht nur die politische Debatte vergröbert, sondern auch das historische Gedächtnis abgestumpft. Vergleicht ein republikanischer Politiker die US-Immobiliensteuern mit dem Holocaust, wie es 2014 ein US-Senatskandidat tat, wird der Massenmord an den Juden so sehr trivialisiert, dass er jegliche Bedeutung verliert. Dasselbe gilt, wenn man Trump mit Hitler oder Mussolini vergleicht.

Dies führt dazu, dass wir nur allzu leicht von den wirklichen Gefahren der modernen Demagogie abgelenkt werden. Immerhin fällt es Trump – oder dem Niederländer Geert Wilders, oder Putin, oder Duterte – nicht schwer, die Anschuldigung, ein Faschist oder Nazi zu sein, zu widerlegen. Sie mögen abstoßend sein, aber sie organisieren keine uniformierten Sturmtruppen, bauen keine Konzentrationslager und rufen keinen autoritären Staat aus. Putin kommt dem noch am nächsten, aber sogar er ist kein Hitler.