jewish cemetary vandalized Mark Makela/Getty Images

Wehrhaft gegen einen neuen Antisemitismus

LONDON – Botschafter Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, beschäftigten viele Dinge, als wir uns an einem verregneten Tag Anfang März in London trafen. Doch obwohl er nur fünf Stunden geschlafen hatte, fand der großgewachsene, kultivierte 73-jährige Kunstsammler, Geschäftsmann und Philanthrop klare Ansagen zu einer Reihe von Fragen.

Vorrangig gilt seine Sorge einem beunruhigenden Anstieg antisemitischer Vorfälle, nicht zuletzt in seinem Heimatland Amerika. Dazu zählen angedrohte oder tatsächliche Angriffe auf Synagogen und andere jüdische Institutionen sowie auch die Schändung von Gräbern in St. Louis im Bundesstaat Missouri und in anderen Städten. „Sogar in den USA, dem Land mit der stärksten jüdischen Gemeinschaft in der Diaspora”, klagt Lauder, „ist der Antisemitismus höchst lebendig und präsent.“

Der Antisemitismus kommt in Wellen und jede historische Epoche liefert die entsprechenden Motivationen. Der christliche Antisemitismus gab den Juden die Schuld an Jesus’ Kreuzigung. Dieser Antisemitismus, der die Juden im Mittelalter und der frühen Neuzeit systematisch ausgrenzte, wurde durch einen pseudowissenschaftlichen, auf der Rassentheorie beruhenden Diskurs ersetzt, der letztlich in Auschwitz gipfelte. Als das schiere und ungeheuerliche Ausmaß des jüdischen Holocaust offenbar wurde, traten diese Ideen den Rückzug in die Schattenwelt der extremen Rechten an. Doch der Antisemitismus, der sich in Europa manchmal bemerkbar macht, kommt auch von der extremen Linken.

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