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Noch ein gescheitertes britisches Experiment

FLORENZ – Die britische Politik war immer so etwas wie ein Versuchslabor für die industrialisierte Welt. In den 1970er Jahren brach dort das herausragende ökonomische Modell der Nachkriegszeit zusammen. Politisch basierte dieses Modell auf der Schaffung eines Konsenses und wirtschaftlich auf keynesianischem Nachfragemanagement.  Der Zusammenbruch von heute betrifft das System „Regulierung Light“, in dem sich eine Partie zu „New Labour“ stilisierte und eine zentrale Rolle für die Märkte übernahm – vor allem für größtenteils deregulierte Finanzmärkte.

In den 1960er Jahren vermittelte die keynesianische Politik die Illusion, dass alle von hohen Beschäftigungszahlen und erheblichen Lohnsteigerungen profitierten. Großbritannien war das coolste Land der Welt und imponierte mit den Beatles, den Rolling Stones und der pastellfarbenen Mode der Carnaby Street.

Aber zu diesem Keynesianismus gehörte eine fortgesetzte haushaltspolitische Expansion ohne ausgleichende geldpolitische Kontraktion. Bis in die 1970er Jahre hatte diese Politik dem Vereinigten Königreich umfangreiche und letztlich untragbare Leistungsbilanzdefizite, hohe Inflationsraten und schließlich den völligen politischen Stillstand hinsichtlich der Frage eingetragen, was dagegen getan werden könnte. Welche Gruppe sollte als erstes ein Opfer bringen?

Anfang 1974 befand sich die Regierung des konservativen Premierministers Edward Heath in einer Auseinandersetzung mit der mächtigen Bergarbeitergewerkschaft, in der es darum ging, „wer Großbritannien regiert.“ Heath setzte im Februar vorgezogene Wahlen an, aus der kein klarer Sieger hervorging.  Er selbst war höchst unbeliebt. Aber die oppositionelle Labour Party war auch nicht überzeugend und hatte hinsichtlich einer intellektuellen Alternative wenig zu bieten. Man versuchte einfach nur, die Konfrontation mit den Gewerkschaften zu vermeiden.