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Die Bändigung Russlands beginnt in Syrien

WASHINGTON, DC – Die Lösung der Krise in der Ukraine liegt zum Teil in Syrien. Für US-Präsident Barack Obama ist es nun an der  Zeit zu beweisen, dass er den offensiven Einsatz von Gewalt auch unter Bedingungen anordnen kann, die sich von geheimen Drohnenangriffen und verdeckten Operationen unterscheiden. Derartiges würde das strategische Kalkül nicht nur in Damaskus, sondern auch in Moskau verändern, von Peking und Tokio ganz zu schweigen.

Vielerorts wird argumentiert, Obamas Rückzieher hinsichtlich der angedrohten Raketenschläge gegen Syrien im letzten August  habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin ermutigt, die Krim zu annektieren. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Putin aus innenpolitischen Gründen handelte – um die Aufmerksamkeit der Russen vom wirtschaftlichen Niedergang des Landes abzulenken und die Demütigung zu lindern, die ihm widerfuhr, als proeuropäische Demonstranten die von ihm unterstützte  ukrainische Regierung stürzten.

Ungeachtet der ursprünglichen Motivation Putins ist festzustellen, dass er mittlerweile in einem Umfeld operiert, in dem er sich der Spielregeln sicher ist. Er wägt ab zwischen dem Wert einer weiteren Zersplitterung der Ukraine – wobei manche Teile entweder an Russland angeschlossen oder zu einem russischen Vasallenstaat werden sollen – und den Schmerzen noch schärferer und umfassenderer Wirtschaftssanktionen. Mit Ausnahme von Waffenlieferungen an eine ziemlich glücklose ukrainische Armee ist der Einsatz von Gewalt durch den Westen in dieser Gleichung nicht vorgesehen.

Das ist ein Problem. Im Falle Syriens haben die USA, die größte und flexibelste Militärmacht der Welt, beschlossen, mehr als drei Jahre lang mit gebundenen Händen zu verhandeln. Im Falle Russlands ist das ebenso ein Fehler, angesichts eines Staatsoberhauptes wie Putin, der sich und seine Präsidentenkollegen an den Maßstäben des rohen Machismo misst.