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Lasst Europa in der Ukraine führen

WASHINGTON, DC – Im Zuge der anhaltenden Besetzung der Krim durch Russland müssen die Vereinigten Staaten einen Schritt zurück gehen und die EU einen Schritt nach vorn. Die internationale Gemeinschaft muss sicherstellen, dass Russland für seine Handlungen einen hohen wirtschaftlichen und politischen Preis zahlt, und dass beide Seiten nicht durch russische und ukrainische Nationalisten in eine tödliche Spirale von Gewalt geraten.

Bis jetzt hat der Westen seine Karten so gut gespielt, wie es ihm möglich war. Ein Fehltritt der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die eine kalkulierte Durchsetzung der russischen Regionalinteressen als Verhalten eines Anführers beschrieb, der nicht mehr in Kontakt mit der Wirklichkeit sei, wurde korrigiert. Eine Eskalierung der Krise durch die USA würde zu diesem Zeitpunkt lediglich dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Hände spielen und den Westen als Papiertiger entlarven.

Um zu sehen, warum dies so ist, können wir zurück in die Geschichte blicken. Im zwanzigsten Jahrhundert intervenierten die USA immer wieder in Lateinamerika, um ungeliebte Regierungen zu stürzen oder zu unterminieren: in Kuba, Nicaragua, der Dominikanischen Republik, Panama, Guatemala, Haiti, El Salvador, Chile und Grenada, um nur die wichtigsten zu nennen. Während des Kalten Krieges waren mehrere US-Präsidenten nur allzu bereit, Truppen zu schicken, um sicher zu stellen, dass in Amerika (und anderswo) weiterhin US-freundliche Regierungen an der Macht blieben.

Erinnern wir uns nun an die westlichen Reaktionen auf frühere sowjetische und russische Einmärsche in strategisch wichtige Länder: Ungarn 1956, die Tschechoslowakei 1968 und Georgien 2008. Jedes Mal weigerten sich die USA, sich mit einem Staat, der die größte Anzahl von Nuklearwaffen auf der Erde besitzt, militärisch einzulassen.