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Das PISA-Versprechen

PARIS – Das Programm für Internationale Schülerbewertung (PISA) bewertet die Fähigkeiten und das Wissen von Schülern in den leistungsstärksten und sich am schnellsten entwickelnden Ausbildungssystemen. Dabei liefert es wertvolle Reformideen und Informationen darüber, wie diese umgesetzt werden können. Im Rahmen von PISA kommen Politiker, Lehrer und Forscher aus der ganzen Welt zusammen und diskutieren, welches Wissen Schüler brauchen, um in der heutigen Welt erfolgreiche und verantwortungsvolle Bürger zu werden, und wie effektivere und integrativere Ausbildungssysteme geschaffen werden können.

Manche behaupten, die PISA-Ergebnisse seien nicht relevant, weil sie auf zu vielen und unterschiedlichen Faktoren beruhen. Andere betonen die Probleme, die das Testen von Schülern unterschiedlicher Sprachen und kultureller Hintergründe mit sich bringt. Natürlich ist der grenzüberschreitende Vergleich von Ausbildungssystem nicht einfach, aber PISA ist und bleibt das weltweit nützlichste Werkzeug für Politiker, die versuchen, ihre nationalen Ausbildungssysteme zu verbessern.

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Vor PISA behaupteten viele Regierungen, über das erfolgreichste Schulsystem der Welt zu verfügen und eventuelle Schwächen bereits im Griff zu haben. Dadurch, dass PISA die Schwachstellen der Systeme der einzelnen Länder offenlegt, können Politiker verbleibende Defizite erkennen – und hoffentlich beseitigen.

Das Programm fördert bei Regierungen und Kultusministern das Gefühl von Verantwortlichkeit und trägt dazu bei, dass sie aktiv werden. Sie tauschen sich zunehmend untereinander aus, um zu lernen, wie sie Lehrpläne, Pädagogik und digitale Ressourcen innovativer gestalten, die Erfolgschancen der Schüler durch personalisiertes Lernen maximieren und kulturelle Vielfalt in den Klassenräumen bewältigen können.

Die OECD hat PISA als globalen Test eingeführt, da unter heutigen Voraussetzungen die meisten Schüler in der Lage sein müssen, mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammen zu arbeiten und gegenüber einer großen Vielfalt von Ideen, Perspektiven und Werten offen zu sein. Um Schülern die bestmöglichen Erfolgschancen zu geben, muss die Schule sie darauf vorbereiten, grenzüberschreitende Probleme zu lösen.

Aber die wichtigsten Ergebnisse von PISA werden auf der nationalen Ebene erzielt, da das Programm dort Innovationen fördert und die Ausbildungsperspektiven erweitert. So unterschiedliche Schulsysteme wie die von Finnland, Japan, China oder Kanada – die vorher auf der politischen Bühne kaum sichtbar waren – wurden zu globalen Referenzpunkten für Qualität und helfen heute anderen Ländern, effektive Reformen zu entwickeln.

Als sich Brasilien im Jahr 2000 im ersten PISA-Test als das Land mit dem schlechtesten Schulsystem überhaupt erwies, hinterfragten viele Beobachter völlig zu Recht die Fairness des Vergleichs eines Schwellenlandes mit fortgeschrittenen Ländern wie Finnland oder Japan. Aber Brasilien stellte sich der Herausforderung und investierte massiv in die Verbesserung der Qualität des Schulsystems. Heute verfügt das Land über eins der sich am schnellsten verbessernden Ausbildungssysteme weltweit.

Auch Deutschland nahm an der PISA-Studie von 2000 teil, wo dem Land unterdurchschnittliche Ausbildungsqualität und große soziale Ungleichheiten im Schulsystem bescheinigt wurden – ein Ergebnis, das die Deutschen überraschte und eine monatelange Debatte anstieß. Dadurch aufgerüttelt, startete die Regierung Initiativen zur Unterstützung benachteiligter und eingewanderter Schüler und machte das Konzept der frühkindlichen Erziehung zu einer Haupttriebkraft der deutschen Schulpolitik. Heute wird durch die PISA-Berichte bestätigt, dass sich das deutsche Schulsystem deutlich verbessert hat.

Sogar in den weltweit besten Ausbildungssystemen trägt PISA dazu bei, Verbesserungsbereiche zu finden. Zum Beispiel wurde durch PISA-Untersuchungen bekannt, dass japanische Schüler zwar Gelerntes gut wiedergeben können, aber beim Aufbau auf diesem Wissen und bei dessen kreativer Anwendung oft Probleme haben. Die dadurch angespornten Bemühungen um innovativere Lernumgebungen wurden im letzten April offensichtlich, während eines Besuchs der Tohoku-Schulen, die durch den Tsunami von 2011 zerstört worden waren.

Diese Erfahrung bietet eine weitere Erkenntnis: Sogar in Fällen, in denen soziale und kulturelle Faktoren bei der Entstehung des Ausbildungsstils eines Landes die Hauptrolle zu spielen scheinen, sind Verbesserungen möglich. Länder wie Japan müssen ihre Kultur nicht verändern, um ihre Ausbildungsprobleme zu lösen, sondern lediglich ihre Politik und ihre Maßnahmen anpassen.

Seit ihrer Gründung in den späten 1990ern war es die Absicht der PISA-Initiative, eine weltweite Plattform der Zusammenarbeit bei der pädagogischen Forschung und Innovation zu gründen. Seitdem haben Politiker, Forscher und Experten das weltweit größte professionelle Netzwerk zur Entwicklung belastbarer, verlässlicher und international vergleichbarer Informationen über die Lernergebnisse bei Schülern aufgebaut.

Gleichzeitig misst PISA die soziale und emotionale Einstellung der Schüler zum Lernen sowie die Chancengleichheit im Unterricht und die Unterstützung der Eltern – Faktoren, die allesamt einen unentbehrlichen Kontext zum Verständnis der Ergebnisse internationaler Tests darstellen.

Natürlich umfassen die Tests nicht sämtliche wichtigen Fähigkeiten oder Einstellungen. Aber es gibt überzeugende Belege dafür, dass die durch das PISA-System untersuchten Kenntnisse und Fähigkeiten für die Zukunft der Schülern von entscheidender Bedeutung sind, und die OECD bemüht sich kontinuierlich, den Umfang der durch PISA gemessenen kognitiven und sozialen Fähigkeiten weiter auszubauen.

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PISA hat bereits wichtige Fortschritte in der weltweiten Ausbildung und Erziehung auf den Weg gebracht. Die OECD wird das Programm gemeinsam mit den 80 teilnehmenden Ländern weiter ausbauen, damit es auch weiterhin Politikern und Pädagogen dabei helfen kann, bessere Schulpolitik zu entwickeln und umzusetzen – und dabei, ihren Bürgern Zugang zu den Werkzeugen für ein besseres Lebens zu geben.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff