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Und frei fließt der Nil

NEU-DELHI – 18 Tage lang erschien es während der Ebbe und Flut von Protesten nicht möglich, dass das Ende der Ägyptischen Revolution so plötzlich kommen würde, mit einer knappen Erklärung, die nicht länger als eine halbe Minute dauerte: „Präsident Husni Mubarak ist zurückgetreten …“ Damit wurde unter Siegesgebrüll eine Ära beendet, was wieder einmal das alte Sprichwort bestätigt: „Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die meinten, sie seien für ihre Nationen unentbehrlich.“

In den nächsten Tagen und Wochen könnte es zu Ereignissen kommen, bei denen die Nachrichten aus Kairo nicht erhebend sind, doch sollten wir niemals vergessen, dass Ägypten einen riesigen Schritt gemacht hat, der in Wirklichkeit ein riesiger Schritt für alle Araber ist. Schließlich ist Ägypten das Herz, Gehirn und Nervenzentrum der arabischen Welt. Zwar hat es einst die radikale Muslimbruderschaft hervorgebracht, es ist aber auch das Geburtsland des islamischen Sozialismus und Antikolonialismus, der arabischen Einheit und jetzt einer demokratischen Bekräftigung des Volkswillens. Das bösartige Gerede, dass Araber keine Demokratie wollen, wurde als die große Lüge entlarvt, die es ist.

In den einprägsamen Worten des großen bengalischen Dichters Rabindranath Tagore ist Ägypten das Land, „in dem das Haupt (jetzt) hoch getragen wird und das Herz (jetzt) ohne Angst ist …“ Dies wird gewaltige Folgen haben. Uralte arabische Gebiete wurden aufgerüttelt. Jahrzehnte alte, scheinbar unbewegliche Autokratien stellen fest, dass ihre Macht aus den Angeln gehoben wurde; der Wandel hält in ihrer statischen Umgebung Einzug. Die Verträge von gestern, vor allem die mit den Vereinigten Staaten und Israel, werden nicht mehr dasselbe Vertrauen einflößen, dass sie lange als Mittel der Staatspolitik hatten.

Die Erinnerung an diese 18 Tage ist so voll, dass es schwierig ist, ein Ereignis vom anderen zu trennen, eine Phase von der nächsten: das Dramatische, das Bewegende, das Bizarre und das Unwirkliche vom Trivialen. Der rote Faden, der jedoch alles verband, das Thema, das unfehlbar konstant blieb, war die Sehnsucht nach „Veränderung“ – unmittelbar, real und greifbar, kein Versprechen oder ein quälendes, unerreichbares Trugbild.