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Die Anatomie eines Crashs

Weshalb haben die Hightech-Aktienenwerte während der vergangenen eineinhalb Jahre so drastisch an Wert verloren? Was sagt uns der Zusammenbruch der NASDAQ (und der kleinerer IT-Börsen in aller Welt) über die Zukunft der "New Economy"? Mit zunehmendem Abstand zu diesen Geschehnissen kann eine klare Einschätzung getroffen werden.

Die herkömmliche Weisheit gründet sich darauf, dass der Crash der NASDAQ die "New Economy" als Blendwerk eines Zaubertricks entlarvte. Er verkörperte die irrationale Überschwänglichkeit, die sich oft breit macht, wenn ein Boom seinen Gipfel erreicht und führte nicht zu tief greiferenden oder dauerhaften Veränderungen der Wirtschaft. Eine naheliegendere Erklärung ist jedoch, dass die NASDAQ einbrach, weil klar wurde, dass dominante Marktpositionen von Hightech-Unternehmen keine Quelle von Gewinnen sind, es sei denn, sie halten neue potentielle Konkurrenten zugleich durch ernstzunehmende Hürden davon ab mitzumischen - und dass es bemerkenswert schwierig wurde, solche Hürden zu errichten.

Über weite Teile bestand der dominierende Effekt der Unternehmungen der "New Economy" darin, den Wettbewerb effektiver zu gestalten, nicht darin, neue Vorteile basierend auf Größenvorteilen zu schaffen. Der Hightech-Crash war somit das Resultat der Schlussfolgerung von Investoren, dass die "New Economy" -in den meisten Sektoren und für die meisten Unternehmen- vermutlich nicht zu großen Profiten im Sinne von quasi-Mieteinnahmen aus etablierten Marktpositionen führen würde, sondern zu verstärktem Wettbewerb und geringeren Gewinnspannen.

Die Überschwänglichkeit, die die NASDAQ im Jahr 1999 und Anfang 2000 so weit in die Höhe trieb, beruhte auf dem Glauben, dass ein technologischer Entwicklungssprung in der Datenverarbeitung und Datenkommunikationstechnologie eine Schar von "Winner-take-all"-Märkten geschaffen hatte, deren hervorstechendes Merkmal wachsende Skalenerträge waren. Ein Informationsgut - ein Computerprogramm, eine Form von Online-Entertainment oder eine Quelle für Information - muss nur einmalig produziert werden und kann dann an eine potentiell unbegrenzte Anzahl von Konsumenten für nur geringe zusätzliche Kosten (wenn überhaupt) verkauft werden. Je größer der Markt, desto größer der Kostenvorteil.