Warum der Iran eingeknickt ist

MADRID – Auf den ersten Blick sieht es aus, als rutsche der gesamte erweiterte Nahe Osten ins Chaos ab. In Syrien wütet nach wie vor ein Bürgerkrieg, während Syriens Nachbarländer – vor allem Jordanien und der ohnehin fragile Libanon – unter dem Gewicht von mehr als zwei Millionen Flüchtlingen ächzen. Libyen ist weitestgehend in durch Stammesfehden bedingter Anarchie versunken, und in Afghanistan bereitet sich das schwache Regime auf einen Abzug der NATO im kommenden Jahr vor. Ägyptens vom Militär gestützte Regierung hat den ausgerufenen Ausnahmezustand verlängert, und der Irak erlebt eine Welle religiös motivierter Gewalt, bei der im bisherigen Jahresverlauf mehr als 5000 Zivilisten getötet und fast 14.000 verletzt wurden.

Und doch gibt es eine Ausnahme von diesem Muster – und zwar dort, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet hätte. Jahrzehnte lang hat der Iran einen düsteren Schatten der Konfrontation über den Nahen Osten geworfen; nun scheint es, als sei die Islamische Republik bestrebt, den Showdown mit dem Westen über ihr Nuklearprogramm zu beenden.

Dieser Wandel – und Irans überraschende Rolle als einzelner Lichtblick in einer zerrütteten Region – lädt ein zur Reflektion über Amerikas globale Führung und darüber, was die USA erreichen können, wenn sie das Potenzial des Multilateralismus (und insbesondere des Transatlantizismus) voll ausschöpfen. In einer Zeit, in der Amerika häufig ein Bild der Unentschlossenheit und Schwäche abgibt – das sich in dem unglücklichen Motto der „Führung von hinten“ widerspiegelt –, ist der Iran ein Beispiel für das Potenzial einer internationalen Reaktion, bei der die USA vorangehen.

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