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Eine OPEC für Arbeitsmigration?

DUBAI – Im September 1960 fanden sich Delegierte aus dem Iran, dem Irak, Kuweit, Saudi Arabien und Venezuela in Bagdad ein, um die Organisation Erdöl exportierender Länder zu gründen. Mit der weltweit zunehmenden Abhängigkeit von Öl, wuchs auch die Macht der OPEC. In Anbetracht der Tatsache, dass heute viele Entwicklungsländer, einschließlich eines Großteils der Länder des Nahen und Mittleren Ostens, als so etwas wie die Hauptexporteure von Arbeitskräften gelten, ist es vielleicht an der Zeit, über die Gründung eines OPEC-ähnlichen Kartells für Arbeitsmigranten nachzudenken.

Der OPEC gelang es, jene gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, die sie auf sich allein gestellt nicht schützen konnten. Kommt es auf einem Markt zu strukturellen Verzerrungen, gestalten sich politische Instrumente und gemeinsame Aktionen wie sie die OPEC einsetzte, wirksamer als die öffentliche Ordnungspolitik.  

Die Arbeitskräfte exportierenden Länder von heute unterscheiden sich nicht wesentlich von den Gründungsmitgliedern der OPEC im Jahr 1960. Auf einem Markt, den die Kunden bestimmen, sind auch sie angreifbar. Reiche Länder, die Arbeitskräfte importieren und arme Länder, die sie exportieren, stehen in einer wechselseitigen Abhängigkeitsbeziehung; doch die Importeure von Arbeitskräften können Einwanderungs- und Arbeitsmarktregulierungen einseitig verschärfen oder lockern, wodurch sich die Exporteure in einem ständigen Zustand der Unsicherheit befinden.

Dieses Ungleichgewicht kann für die Arbeitskräfte exportierenden Länder gravierende Kosten mit sich bringen. Für viele Entwicklungsländer sind Überweisungen von im Ausland tätigen Arbeitskräften ein zentrale Einnahmequelle –  noch wichtiger als alle anderen Zuflüsse an Finanzmitteln wie ausländische Direktinvestitionen und Hilfsgelder. Und sie leisten in vielen Fällen einen Beitrag zur Verbesserung der Finanzsituation des jeweiligen Landes. Angaben der Weltbank zufolge betragen diese Überweisungen aus dem Ausland auf den Philippinen und in Indonesien 20-24 Prozent des BIP, 42 Prozent in Tadschikistan, 32 Prozent in Kirgisistan, 17 Prozent im Libanon, 10,8 Prozent in Jordanien, 9,9 Prozent im Jemen und 6,6 Prozent in Ägypten und Marokko.