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Augenöffner bei der Inflation

CAMBRIDGE, MASS: Vielleicht bedarf es angesichts der allerorten in die Höhe schießenden Inflation eines Schocks, um die Notenbanker aus ihrer Selbstzufriedenheit zu wecken. Wie wäre es damit, eine ihrer nächsten, alle zwei Monate stattfindenden Sitzungen in Simbabwe auszurichten, wo Hyperinflation herrscht? Das wäre vielleicht nicht bequem, aber dafür lehrreich.

Laut dem offiziellen Statistikamt von Simbabwe hat die Inflation dort 2007 die Marke von 66.000% überschritten – was mehr an Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik erinnert als an das Afrika unserer Tage. Auch wenn sich niemand ganz sicher ist, wie die Regierung es angesichts der Tatsache, dass es in den Geschäften praktisch nichts zu verkaufen gibt, geschafft haben will, die Preise zu schätzen: Die meisten Indikatoren deuten an, dass Simbabwe gute Chancen hat, den Inflationsweltrekord zu brechen.

Es könnte freilich sein, dass die Notenbanker sich trotz aller Neugier entscheiden, dass eine Sitzung in Harare zu unpraktisch und politisch inopportun wäre. Glücklicherweise gibt es zahlreiche weitere attraktive – wenn auch weniger spektakuläre – Reiseziele mit hoher Inflation. In Russland, Vietnam, Argentinien und Venezuela etwa, um nur einige davon zu nennen, liegt sie fest im zweistelligen Bereich.

Tatsächlich könnten sich die Notenbanker außer im deflationsgeschüttelten Japan fast überall von hoher und weiter steigender Inflation überzeugen. Die chinesischen Behörden sind so besorgt über die Inflationsrate von 7% in ihrem Land, dass sie Indien nachahmen und Preiskontrollen für Lebensmittel verhängt haben. Selbst in den USA betrug die Inflation im letzten Jahr 4%, obwohl die Federal Reserve irgendwie überzeugt zu sein scheint, dass die meisten Menschen das nicht bemerken.