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Eine Wirtschaftsagenda für Italien

MAILAND – Ende des Monats werden italienische Wähler eine neue Regierung wählen, von der sie Arbeitsplätze erwarten und eine bessere Chancenverteilung auf dem wirtschaftlichen Spielfeld. Italiens europäische Partner wiederum erwarten Strukturreformen und steuerliche Redlichkeit. Wie soll die wirtschaftspolitische Agenda der neuen Regierung aussehen?

Um die Staatsverschuldung reduzieren, die 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes beträgt, und gleichzeitig schmerzhafte Anpassungen vornehmen zu können, braucht Italien Wirtschaftswachstum – etwas, das die politischen Entscheidungsträger in den vergangenen Jahren nicht hervorgebracht haben. Tatsächlich betrug Italiens jährliche Wachstumsrate seit Beitritt in die Wirtschafts- und Währungsunion 1999 anämische 0,5 Prozent, das liegt weit unter dem Durchschnitt der Eurozone von 1,5 Prozent. In den vier Jahren seit Beginn der globalen Finanzkrise fiel die Wachstumsrate auf -1,2 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Eurozone von -0,2 Prozent, und sie wird wohl auch in diesem Jahr im Minusbereich bleiben.

Die größte Herausforderung der neuen Regierung wird die Umsetzung der Reformen sein, die Italiens Wirtschaftsleistung nach Jahren verfehlter Politik und Vernachlässigung wieder auf Kurs bringen sollen, damit das Land seine Nachbarn einholen kann. Dafür braucht man verstärkte Investitionen in Innovation und Humankapital.

Zwischen 1992 und 2011 wuchs die Arbeitsproduktivität um durchschnittlich 0,9 Prozent, das ist der niedrigste Wert in der OECD. Seit 2011 sind die Lohnstückkosten schneller gewachsen als das reale Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung, was die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber den Entwicklungsländern untergraben hat. Im vergangenen Jahrzehnt fiel Italiens Anteil am globalen Export von 3,9 auf 2,9 Prozent.