Ein arabischer „dritter Weg“

AMMAN – Während der gesamten postkolonialen Zeit haben es die arabischen Staaten nicht geschafft, ein effizientes – oder gar demokratisches – Regierungssystem zustande zu bringen. Heute, nach einem halben Jahrhundert Wettbewerb zwischen Militär- oder Königsdiktaturen und militanten islamistischen Regimes suchen viele Araber wieder nach einem „dritten Weg“ – einem Weg hin zu einer angemessenen Form repräsentativer Demokratie. Aber werden ihre Bemühungen genauso vergeblich sein wie in der Vergangenheit?

Der Nahe Osten – gelegen zwischen Europa und Ostasien – war 400 Jahre lang unter ottomanischer Regentschaft, bevor die alliierten Mächte nach ihrem Sieg über die Ottomanen im Ersten Weltkrieg die Region in unterschiedliche politische Einheiten aufteilten, die nach dem Sykes-Picot-Abkommen in von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich festgelegte Einflussbereiche zugeordnet wurden. Aber als Reaktion auf diese Neuaufteilungen fand ein arabisches Erwachen statt – mit panarabischen Tendenzen und Unterstützung für Palästina.

Charismatische, junge Militärführer und spätere Diktatoren wie Ägyptens Gamal Abdel Nasser, Iraks Saddam Hussein, Libyens Muammar el-Gaddafi, Jemens Ali Abdullah Saleh und Syriens Hafez al-Assad griffen diese populären Ziele auf, um öffentliche Unterstützung zu erlangen. Dass sie aber nicht in der Lage waren, ihren Bürgern ein besseres Leben zu bieten, rief gemeinsam mit der Diskreditierung linker Ideologien nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine rivalisierende Bewegung ins Leben: den politischen Islam.

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