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Eine zufällige Heilung für den Irak

Ärzte verwenden das Wort “Krise”, um den Punkt zu beschreiben, an dem ein Patient entweder beginnt zu genesen oder stirbt. Präsident George W. Bushs irakischer Patient hat jetzt offenbar diesen Punkt erreicht. Die meisten Kommentatoren denken anscheinend, dass Bushs neuestes Rezept – eine Aufstockung von 20.000 zusätzlichen Truppen, um die Milizen in Bagdad zu verdrängen – den unvermeidlichen Tod seines Traums eines demokratischen Irak im besten Fall lediglich verzögern wird. Dennoch könnten Faktoren außerhalb von Bushs Kontrolle, für die er (zumindest nicht vorsätzlich) verantwortlich ist, den Irak gerade noch vor seinem drohenden Schicksal retten.

Ein entscheidender Faktor ist, dass arabische Sunnitenführer zum ersten Mal seit die Vereinigten Staaten und Großbritannien in den Irak einmarschiert sind, einen US-amerikanischen Militärplan für dieses Land unterstützen. Diese sunnitischen Führer leben in größter Angst vor dem geopolitischen Erdbeben, das ein Zerfall der politischen Autorität in Bagdad nach sich ziehen würde, und glauben, dass totaler Bürgerkrieg unweigerlich die Folge wäre – ein Krieg, der internationale Grenzen nicht respektieren würde.

Amerika hat die sunnitischen Führer natürlich in diesem Glauben bestärkt. Die jüngste Tour von Außenministerin Condoleezza Rice durch die Hauptstädte des Nahen Ostens hat dazu beigetragen, Ägypten, Jordanien, Saudi Arabien und den Golfstaaten zu vermitteln, dass jegliches Scheitern der USA und ein plötzlicher Rückzug diese mit Sicherheit destabilisieren würde. Angesichts der unsicheren Kontrolle, die diese Führer über ihre Gesellschaften besitzen, haben sie sich die amerikanischen Warnungen zu Herzen genommen.

Doch der wahrlich eigenartige Faktor, der Bush möglicherweise zum Erfolg verhelfen könnte, ist, dass diejenigen, die Amerikas Präsenz im Irak abgelehnt haben oder sich daran stießen, wie etwa die vom Iran unterstützten schiitischen Parteien, jetzt anscheinend ebenfalls den Erfolg Bushs neuer Strategie wünschen. Sie sind dafür, weil sie glauben, dass es Muktada al-Sadr schwächen wird, den radikalen schiitischen Kleriker, dessen Macht in den vergangenen drei Jahren rasanten Zuwachs erfahren hat – bis zu einem Punkt, an dem er nunmehr weite Teile Bagdads dominiert und ihm zahllose zornige junge schiitische Männer treu ergeben sind.