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Amerikaner stammen aus Italien, Europäer aus Japan

MÜNCHEN – Das amerikanische Geschäftsmodell ist zusammengebrochen. Während der letzten Jahre haben sich die USA riesige Summen vom Rest der Welt geliehen. Allein im Jahr 2008 betrugen der Nettokapitalimport über 800 Mrd. Dollar. Das Geld wurde hauptsächlich durch den Verkauf von hypothekengesicherten Wertpapieren (ABS) und darauf aufbauenden strukturierten Wertpapieren (CDO erzielt, die Forderungen gegen Forderungen gegen amerikanische Hausbesitzer waren (genauer: nur mehrstufige Forderungen gegen die Häuser selbst, da die Besitzer durch die regressfreien Kredite vor einer Durchgriffshaftung geschützt waren). Inzwischen ist jedoch der Markt für solche Wertpapiere verschwunden. Während im Jahr 2006 der Umfang der Neuemissionen noch 1,9 Billionen Dollar betrug, dürfte das Volumen im Jahr 2009 nach den jüngsten Schätzungen des IWF nur noch 50 Milliarden Dollar betragen. Der Markt ist um 97% geschrumpft. Keine andere Zahl sagt so viel über die Katastrophe des amerikanischen Finanzsystems aus wie diese.

Als die Finanzströme aus der Welt an die amerikanischen Hausbesitzer eintrockneten, brachen die Hauspreise um gut 30% ein, und der Bau neuer Häuser um mehr als 70%.  Die Rezession war unvermeidbar. Entlassene Bauarbeiter schnürten ihren Gürtel enger, und die Hausbesitzer taten ein Gleiches. Manche taten es, weil sie sich ärmer fühlten. Andere, weil ihnen die Banken, schockiert durch den Einbruch ihres Verbriefungsgeschäfts, keine Hypothekendarlehen zur Finanzierung ihres Konsums mehr gaben. In den letzten Jahren vor der Krise lag das Volumen neuer Hypothekendarlehen um 60% über dem Wert der Wohnungsbauinvestitionen. Jetzt liegt es um 150% darunter. 

Die ersten elf Monate der Rezession waren so schlimm wie die ersten elf Monate der Weltwirtschaftskrise, die 1929 begonnen hatte.  In der Zwischenzeit haben jedoch riesige keynesianische Konjunkturpakete von weltweit über 1,4 Billionen Dollar und Bankenrettungspakete von ca. 8 Billionen Dollar ihre Wirkung gezeigt. Sie haben den Zusammenbruch im Frühjahr und Sommer dieses Jahres gestoppt und die Rezession zu einem hoffentlich mehr als nur kurzfristigen Stillstand gebracht. Die Unterauslastung der Kapazitäten ist jedoch noch erheblich. Es wird Jahre dauern, bis die Weltwirtschaft ihren alten Trend wieder erreicht haben wird, denn die Wachstumsprognosen sind nicht sehr vielversprechend, und die Arbeitslosigkeit steigt derzeit noch in den USA und Europa.

Vorläufig ist die Staatsverschuldung das Mittel der Wahl bei der Bekämpfung der Krise. Die öffentliche Hand nimmt den Überschuss der privaten Ersparnisse über die privaten Investitionen auf und pumpt diesen Überschuss wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück, um die Gesamtnachfrage und das Finanzsystem zu stabilisieren. Deshalb schießen überall die öffentlichen Defizite in die Höhe. Fast alle EU Staaten werden die 3%-Grenze für die Defizitquote relativ zum BIP, wie sie im Stabilitäts- und Wachstumspakt festgelegt ist, durchbrechen, und einige werden Defizitquoten von 10% und mehr erreichen, z.B. Spanien (10%), Großbritannien (14%) und Irland (16%). Die USA, das Epizentrum der Krise, stecken in besonders großen Schwierigkeiten. Ende dieses Jahres wird die amerikanische Schuldenquote bereits auf 87% des BIP angestiegen sein, und da das Defizit im nächsten Jahr 11% des BIP betragen wird, wird sie 2011 die 100%-Marke überschreiten. Das Land, das einmal das Symbol für Stabilität und kapitalistische Stärke war, zeigt erschreckende Ähnlichkeit mit den Entwicklungsländern, die unter der weltweiten Schuldenkrise von Anfang der 1980er Jahre litten.