Die Machtstellung Amerikas

Der Präsidentschaftswahlkampf in Amerika nimmt an Schärfe zu, und damit auch die Debatte über die Machtstellung Amerikas. Vor einem Jahr, nach dem schnellen Sieg in dem nur vier Wochen dauernden Irak-Krieg, meinten viele, diese Frage sei ein für alle Mal geklärt. Die nachfolgenden Schwierigkeiten im Irak - und in den außenpolitischen Beziehungen der USA im Allgemeinen - haben das Thema jedoch in den Kern des Wahlkampfes gerückt.

Es fällt schwer, sich daran zu erinnern, aber vor gerade mal einem Jahrzehnt war die vorherrschende Meinung - und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb der USA -, dass Amerika sich im Niedergang befände. 1992 erklärte der Gewinner der Vorwahlen in New Hampshire: „Der Kalte Krieg ist vorbei - und Japan hat gewonnen." Als ich im Jahre 1990 meine Studie Bound to Lead veröffentliche, sagte ich den anhaltenden Anstieg der amerikanischen Macht voraus. Heute allerdings sehe ich es als gleichermaßen wichtig an, die landläufige Meinung zu hinterfragen, dass Amerika unbesiegbar sei und dass ein „neuer Unilateralismus" die US-Außenpolitik bestimmen sollte.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion beschrieben einige Analysten die neu entstandene Welt als unipolar und betrachteten die amerikanische Machtfülle als weitgehend unbeschränkt. Dies ist irreführend. Staatliche Macht ist in unserem globalen Informationszeitalter nach einem Muster verteilt, das an ein kompliziertes dreidimensionales Schachspiel erinnert.

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