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Die Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle

MADRID – Der Dezember bietet immer Gelegenheit innezuhalten, und über Vergangenes und Zukünftiges nachzudenken. In diesem Jahr führen die Überlegungen zu dem Schluss, dass die Vereinigten Staaten nach wie vor fest im Zentrum der liberalen Weltordnung stehen. Eine weitere Erkenntnis besteht darin, dass die USA mehr dafür tun müssen, ihrer Führungsrolle auf eine Weise gerecht zu werden, die ihrer Weltgeltung entspricht.

In den vergangenen Jahren sind zunehmend Zweifel am Fortbestand des globalen Führungsanspruchs der USA laut geworden. Doch auch wenn die viel diskutierte multipolare Weltordnung durchaus wahrscheinlich ist, ist es in der Realität einstweilen so, dass die Bemühungen, globale Probleme zu bewältigen – vom Klimawandel bis zum Konflikt im Nahen Osten – das Engagement der USA erfordern.

Bedauerlicherweise haben die Erzählungen vom Niedergang Amerikas in den letzten Jahren so viel Zugkraft entwickelt, dass selbst Vertreter der US-Regierung begonnen haben, daran zu glauben und eine schwache und unsystematische Politik verfolgen (oder, in einigen Fällen, überhaupt nichts tun). Präsident Barack Obama zurückhaltender Ansatz in der Außenpolitik scheint die globale Instabilität zu fördern und nicht zu verringern.

Die Gründe für diesen Mangel an entschlossenem Handeln sind umstritten. Einige glauben, Obamas Angst, die Fehler seiner Vorgänger zu wiederholen sei schuld daran; andere lasten es dem US-Kongress an, dem Präsidenten durch seine feindselige Haltung die Hände zu binden.