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Was ich meinen nicht-amerikanischen Freunden erzähle

CAMBRIDGE – Als US-Amerikaner reise ich oft nach Übersee, und meine Freunde im Ausland fragen mich oft mehr oder weniger fassungslos: Was um Himmels Willen geschieht in deinem Land? Darauf möchte ich folgende Antwort geben:

Erstens sollte man die Wahl von 2016 nicht falsch interpretieren. Entgegen einiger Kommentare wurde das politische System der USA keineswegs von einer Welle des Populismus überschwemmt. Wir haben wir eine lange Geschichte der Rebellion gegen die Eliten. Donald Trump knüpft an eine Tradition an, die bereits von Politikern wie Andrew Jackson und William Jennings Bryan im neunzehnten Jahrhundert und Huey Long und George Wallace im zwanzigsten Jahrhundert verfolgt wurde.

Und trotzdem bekam Trump fast drei Millionen weniger Wählerstimmen als seine Gegnerin. Die Wahl gewann er, weil er den Unmut der Bevölkerung dreier Staaten des Rostgürtels, die früher demokratisch gewählt hatten, für sich nutzen konnte – in Michigan, Pennsylvania and Wisconsin. Hätten in diesen Staaten etwa hunderttausend Menschen anders gewählt, hätte Trump das Wahlmännergremium verloren und damit die Präsidentschaft.

Trotzdem lässt Trumps Sieg in den Vereinigten Staaten ein echtes Problem wachsender sozialer und regionaler Ungleichheit zutage treten. Der enorme Unterschied zwischen Kalifornien und den Appalachen wird von J.D. Vance in seinem jüngsten Bestseller Hillbilly Elegy überzeugend beschrieben.