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USA: Hegemonie oder Primat?

CAMBRIDGE – Kein Land in der modernen Geschichte hatte je eine solche globale Militärmacht wie die USA. Trotzdem argumentieren einige Analysten nun, dass das Land in den Spuren Großbritanniens wandele, dem letzten globalen Hegemon, der einen Niedergang erlebte. Diese historische Analogie führt trotz ihrer wachsenden Popularität in die Irre.

Großbritannien war nie so dominant, wie es die USA heute sind. Zwar unterhielt es eine Flotte, die so groß war wie die beiden nächstgrößten Flotten zusammen, und sein Reich, in dem die Sonne nie unterging, herrschte über ein Viertel der Weltbevölkerung. Doch bestehen große Unterschiede zwischen den relativen Machtressourcen des britischen Empire und denen des zeitgenössischen Amerikas. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand Großbritannien, was die Anzahl des militärischen Personals anging, weltweit nur auf Rang 4 unter den Großmächten; beim BIP stand es ebenfalls an vierter und bei den Militärausgaben an dritter Stelle.

Die Herrschaft über das britische Empire stützte sich großteils auf örtliche Truppen. Von den 8,6 Millionen britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg kam fast ein Drittel aus den Übersehgebieten des Empire. Dies erschwerte es der Regierung in London zunehmend, den Krieg im Namen des Empire zu erklären, als nationalistische Stimmungen an Intensität gewannen.

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte sich der Schutz des Empire zunehmend zur Belastung entwickelt. Die Lage Großbritanniens in der Nähe von Mächten wie Deutschland und Russland erschwerte seine Lage zusätzlich.