Amerikas schizophrene Wirtschaft

Die Nachrichten über die amerikanische Wirtschaft in er ersten Märzhälfte zeichneten - wieder einmal - ein Bild, das nur einem Schizophrenen einfallen könnte. Die Realinvestitionen (Investitionen, bei denen die fallenden Preise für High-Tech- und informationsbezogene Investitionsgüter bereits berücksichtigt sind) nahmen weiterhin stark zu. Produktion und Verkäufe entwickelten sich im Einklang mit dem Consensus Forecast für das reale BIP-Wachstum von jährlich 4 % oder mehr. Und trotz allem stagnieren die Beschäftigungszahlen: Unter dem Strich werden in den USA weiterhin keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.

Das heißt allerdings nicht, dass die Beschäftigungszahlen in Amerika nicht wachsen können. Im Bildungs- und Gesundheitsbereich sind heute um ungefähr 300.000 Amerikaner mehr beschäftigt als vor einem Jahr - das entspricht einem Beschäftigungswachstum von 1,7 %. In den Bereichen Wirtschafts- und freiberufliche Dienstleistungen arbeiten heute um 250.000 Amerikaner mehr als im Vorjahr - das entspricht einem jährlichen Wachstum von 1,6 %. Der Grund für die stagnierenden Beschäftigungszahlen ist also nicht, dass es in der amerikanischen Wirtschaft unmöglich wäre, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern dass das Nachfragewachstum zu gering ist, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen als verloren gehen.

Diese Entwicklung ist einfach darzustellen. Die gesamten Nominalausgaben in Amerika wachsen um 5,5 % jährlich. Die Inflationsrate beträgt 1,5 % pro Jahr und das gesamte Produktivitätswachstum beträgt jährlich 3,5 %. Die sich daraus ergebende Gleichung ist simpel: 5,5 %-1,5 %-3,5 % = 0,5 %. Diese 0,5 % Beschäftigungswachstum reichen also aus, um die Nachfrage angesichts des bemerkenswerten Produktivitätswachstums zu befriedigen.

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