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Drohnenkriege

BRÜSSEL – Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“, schrieb 1936 hoffnungsvoll der amerikanische Dichter Carl Sandburg. Heute scheint sein Gedanke passender denn je, aber nicht, weil sich die Menschheit dem Pazifismus zugewandt hätte. Vielmehr werden Kriege zunehmend aus der Ferne geführt, wobei Drohnen – unbemannte Luftfahrzeuge – das Töten übernehmen.

Unter Präsident Barack Obama ist die Zahl der von den USA durchgeführten Drohnenangriffe steil angestiegen; allein in Pakistan wurden mehr als 300 derartige Angriffe gemeldet. Im März 2011 schulte die US-Luftwaffe erstmals mehr Piloten für Drohnen als für jeden anderen Zweck.

Dies wirft ernste ethische Fragen auf. Ohne dass Militärangehörige dabei ihr Leben riskieren, vereinfachen Drohnen das Töten und die Rechtfertigung von Kriegsaktivitäten gegenüber der Öffentlichkeit im eigenen Lande. Zudem steht die Zurückhaltung eines Menschen, zu töten, in einer Umkehrrelation zur Distanz zwischen Angreifer und Ziel. Im Falle eines Piloten, der per Joysticks aus Nevada Drohnen über dem Jemen steuert, ist die Schwelle, den Abzug zu betätigen, gefährlich niedrig. Töten wird so zu etwas, das einfach zum Job dazu gehört, und anschließend geht man dann kegeln oder genießt einen geruhsamen Abend zu Hause.

Derweil versetzt der bloße Klang der Drohnen ganze Bevölkerungen in Angst und Schrecken und gibt Feinden wie Zivilisten zu erkennen, dass sie beobachtet werden und jeden Moment angegriffen werden könnten – was den Anwerbern von terroristischem Nachwuchs durchaus in die Hände spielen könnte.